Tessiner Kirche

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Die Kirche San Nicolao bei Giornico (TI)
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Per Post normal für 5,70 CHF
3,00 CHF
Beschreibung
Bestellnummer: 506
Autor: Heinrich Pfenninger
Selbständige Einzelteile: 4
Schwierigkeitsgrad: ab 10 Jahren
Sprache: d
Massstab: n/a

Nicht in Auswahlsendung enthalten

Der Tessin-Fluss durcheilt von seiner Quelle bis zu seiner Mündung ein langes Tal, das in drei Abschnitte zerfällt. Den mittleren, zwischen Airolo und Biasca, nennen wir Livinental, der Tessiner nennt es Leventina. Im unteren Teil dieses Abschnittes liegt das Dorf Giornico, wohin unser Modellbogen seine jungen Freunde führen möchte.

Der Name des kleinen Ortes ist bestimmt manchem jungen Schweizer bereits bekannt. Der Geschichtsunterricht lehrt, dass hier Ende Dezember 1478 (also kurz nach den Burgunderzügen) eine kleine Schar wackerer Innerschweizer sich gegen eine angerückte mailändische Übermacht siegreich verteidigt habe. Fünf Jahrhunderte sind bald verstrichen; es ist also schon reichlich lange her. Nun, wir führen trotzdem einen Augenzeugen jenes denkwürdigen Tages vor! Es ist die stattliche Kirche San Nicolao. Ein altehrwürdiges Gebäude muss das sein. Es ist aber noch viel älter! Die ersten Pergamente, die von ihm wissen, stammen aus dem Jahre 1210. Somit hat dieses Gotteshaus bereits geraume Zeit gestanden, als die Männer auf dem Rütli sich anschickten, den ersten Bund der Eidgenossen feierlich zu beschwören!

Wir wissen nicht, wer zu so früher Zeit den Entschluss gefasst hat, in dieses wenig lockende Bergtal eine derart stattliche Kirche zu Ehren des heiligen Nikolaus von Bari (des San Nicolao) bauen zu lassen. Vielleicht mag es ein Fürst aus der mailändischen Poebene gewesen sein. Bestimmt stammten mindestens die Bauleute aus dem Süden. Die Bauart der Kirche weist auf sie hin. Jene fügten aus den harten Tafeln und Quadern des Tessiner Granites ein Gotteshaus, das seither unzählige Besucher bestaunt haben. Mehr als einer hat es sogar als die schönste romanische Kirche des ganzen Tessins bezeichnet. Trotzdem ist aber San Nicolao nicht etwa die Kirche des Dorfes; diese steht nicht weit von jener entfernt. Es heisst etwa, unser Gotteshaus hätte einmal einem längst verschwundenen Kloster angehört; andere vermuten, es habe neben dieser Basilika einmal ein Hospiz gestanden. Dies wäre denkbar, ist doch der Gotthardweg, der hier vorüberführt, seit undenkbarer Zeit immer wieder benützt worden.

Unsere Kirche besteht aus vier Teilen. Der grosse Kirchenraum, das Schiff, kann durch zwei grosse Portale betreten werden. Beide sind aussen umrahmt von hohen Bogen aus vorragenden Steinplatten. An das Schiff schliesst sich ein quadratisches, etwas niedrigeres Altarhaus an. Die Vorderwand dieses kleinen Gebäudes öffnet sich wiederum gegen einen halbrunden Anbau, die sogenannte Apsis. Aus einer Ecke des Hauptschiffs endlich erhebt sich als vierter Bauteil der eindrucksvolle Turm. Er wirkt darum besonders schlank, weil er als Grundfläche ein Rechteck und nicht ein Quadrat bedeckt. Er trägt wie das ganze übrige Gotteshaus keinen Verputz. Jeder Baustein ist an ihm sichtbar geblieben. Just deswegen aber, weil das Baumaterial unverkleidet so geblieben ist, wie man es irgendwo in der Nähe einst gebrochen hat, wirkt diese Tessiner Kirche wie ein Teil der Natur selbst, in der sie steht.

Vor über 30 Jahren ging ein Klageruf durch unser Land: San Nicolao sei in Gefahr. Der Bau sei in schlechtem Zustand; ein baldiger Einsturz wäre nicht unmöglich. Da regte sich's hüben und drüben am Gotthard. Man sammelte die nötigen Mittel. 1945 wurde unser Denkmal alter bester Baukunst renoviert und gesichert. Freunde in grosser Zahl werden auch ferner wachsam sein, damit Besucher von überall her diesen Bau auch weiterhin bewundern können.

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