Walliser Stadel

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Typischer Walliser Vorratsspeicher auf Stelzen
Walliser_Stadel_4cdc08b7a21d7.jpgWalliser_Stadel_4cdc08b7a21d7.jpg
Per Post normal für 5,70 CHF
3,00 CHF
Beschreibung
Bestellnummer: 502
Autor: Heinrich Pfenninger
Selbständige Einzelteile: 2
Schwierigkeitsgrad: ab 10 Jahren
Sprache: d
Massstab: n/a

Nicht in Auswahlsendung enthalten

Das Wallis, ein Bergkanton, liegt im Südwesten unseres Landes. Es erstreckt sich vom Gotthardmassiv bis hinab zum Genfersee. Die gleiche Distanz legt auch sein Hauptfluss, die Rhone, zurück, die das ganze Wallis der Länge nach in einer mächtigen Talfurche durchzieht.

An den Hängen dieses Haupttales und in den vielen, langen Seitentälern wohnen und werken die Walliser Bergbauern. Sie haben kein leichtes Leben, ringen sie doch ihr hartes Brot einem steilen, felsdurchsetzten Boden ab. Diese Bergler säen ihren Roggen in kleinste Äckerlein und hoffen zuversichtlich, die Kraft der Bergsonne werde die Saat hochgehen und die Ähren ausreifen lassen. Der beträchtlichen Höhe über Meer wegen dürfte sich zwar die Reifezeit bis in den September hinauszögern. Dann schneidet der Bergler die golden gewordenen Halme mit der Sichel. Die gesammelten Garben schlägt er in Tücher und trägt sie auf der Schulter zum Stadel.

Wir begreifen, dass der Walliser dem so mühevoll gewonnenen Korn grösste Sorge trägt. Gerade ihr verdanken denn auch die Stadel, als Speicher der Ernte, die besondere, einzigartige Form. - Wie sieht er denn aus, unser Stadel?

Über einem gemauerten, mannshohen Untergeschoss, das nicht selten als Kleintierstall dient, thronen aufeinandergestellt zwei sonnengebräunte Kammern aus Lärchenholz. Sie sind die Speicherräume. Zwischen ihnen und dem steinernen Unterbau aber steckt das Seltsame. Hier sind vier oder sechs starke Stützen eingefügt. Jede trägt, wie eine Kappe, eine radgrosse kreisrunde Gneisplatte.

Diese saubere Trennung von Unterbau und Garbenräumen soll verhindern, dass gefrässige Mäuse zu unerwünschten Korndieben werden. Zwar vermöchten die kleinen Nager den Unterbau zu erklettern, ja sogar die Stützenseiten zu erklimmen. Aber die quer aufliegende Gneisplatte bildet für die Graupelze schliesslich doch ein unüberwindliches Hindernis. Soll diese bauliche Sicherung wirklich spielen, dann muss der Kornträger freilich einen etwas mühsamen Zugang zu den Speicherkammern in Kauf nehmen. Er stellt jeweils (nur vorübergehend!) eine Leiter an, die ihn zu den Verwahrkammern aufsteigen lässt. Sobald das Eintragen aber besorgt ist, wird die Leiter alsbald weggeschafft.

Das Dach unseres Stadels ist mit Steinplatten belegt. Genau so, wie sich der Walliser das Lärchenholz für die Kornkammern im Bergwald holt, wie er die Brocken für den Unterbau von der nächsten Rüfe herbeischleppt, bricht er sich am Steilhang aus schiefrigem Fels sein Dachmaterial selbst. Er ist in allen Teilen ein Selbstversorger, der Walliser. Dass er überdies ein geschickter Handwerker ist, beweist er uns mit seinen Stadeln deutlich.

Adolf Fux, der Walliser Dichter, schreibt über die Stadel: «Man trifft ihrer viele im Wallis. Sie stehen mitten in den Dörfern, stehen aber auch vereinsamt irgendwo am Hang, am Abgrund, auf einem Steinhaufen am Rande guten Grundes und werfen ihre Schlagschatten weit über die zerstückelten Äckerlein, auf denen die Frucht nicht tonnenweise geerntet werden kann.»

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